Feministischer Aufruf

 

für das antimilitaristische Camp in der Altmark.

Ein antimilitaristisches Camp in der Altmark bei Magdeburg, in der Nähe eines Gefechtsübungszentrums. Was haben wir als Feminist_innen damit zu tun? Warum sollten wir hinfahren und uns in die Vorbereitung einklinken?

Es gibt genug Gründe: In der Bundesrepublik Deutschland ist die Bundeswehr wieder eine Angriffsarmee. Die Kriege, die sie führt, beginnen hier vor der Haustür: Die Menschen, die ausgebildet werden, um Menschen zu erschießen, werden in unseren Schulen und Universitäten angeworben, werden auf Arbeitsämtern zu Werbe Infoveranstaltungen verpflichtet, werden auf Volksfesten und Messen zum „Abenteuer Krieg“ eingeladen. Die Militarisierung im Alltag ist kaum noch zu übersehen. Viele der Waffen, die in der ganzen Welt zum Einsatz kommen, werden in der BRD produziert. Die konkreten Einsätze werden auf dem riesigen Gelände in der Altmark geübt - mitten in Deutschland.

Auf dem Gelände des Gefechtsübungszentrums (GÜZ) wird in diesem Jahr noch mit dem Bau einer Stadt begonnen, das so genannte „Urbane Zentrum“, genannt „Schnöggersburg“. Kostenpunkt: ca. 100 Millionen Euro. Die Betreiberfirma Rheinmetall sagt auf ihrer Homepage zur Funktion des GÜZ: „Hier üben die Soldaten in einer Mischung aus realem Manöver und IT- gestützter Live-Simulation die Panzerabwehr, den Häuserkampf oder das Verhalten gegenüber einer aufgebrachten Menschenmenge.“ Hier wird nicht nur für die Aufstandsbekämpfung auf anderen Kontinenten geübt. Es geht auch um Aufstandsbekämpfung in Europa: gegen den schon vorhandenen und den noch entstehenden Aufruhr und Widerstand gegen die sich immer mehr verschärfenden Lebensbedingungen.

WAS HABEN FEMINIST_INNEN MIT WIDERSTAND GEGEN MILITARISIERUNG UND KRIEG ZU TUN?

Feminismus heißt für uns, die weltweiten patriarchalen Verhältnisse infrage zu stellen und zu bekämpfen. Frauen* haben ein ganz besonderes Interesse gegen alle Formen von Unterdrückung und Ausbeutung anzugehen, da sie den herrschenden Machtverhältnissen in besonderem Maße ausgesetzt sind.

KRIEGSALLTAG - ALLTAGSKRIEG

Für Frauen* gibt es keinen Frieden, weder in sogenannten Friedens- noch in Kriegszeiten.
Anders ausgedrückt: Gewalt ist für Frauen* ständig präsent – jederzeit  und an jedem Ort. Die patriarchale Ordnung baut auf der Produktion und ständigen Reproduktion von Geschlechtern auf und ist somit ein Konstrukt. Es wird eine Einteilung der Menschen in zwei Kategorien („Frau“ und „Mann“) durchgesetzt, denen jeweils bestimmte Eigenschaften und gesellschaftliche Bereiche zugeschrieben werden. Mit der Zuschreibung geht eine Bewertung einher, für die „weibliche“* Geschlechterrolle eine Abwertung. Frauen* werden auf den Bereich des sogenannten Privaten und dort auf die geschlechtsspezifischen, reproduktiven Aufgaben verwiesen. Männern* wird der Bereich des Öffentlichen und Politischen zugeschrieben. Geschlecht ist nach wie vor ein entscheidender gesellschaftlich bestimmender Faktor, über den alle Unterdrückungsinstrumente durchgesetzt werden. Als Feminist_innen ist es uns wichtig den Zusammenhang zwischen Krieg und Patriarchat herzustellen. Nicht nur das Kapital, auch das Militär profitiert vom hierarchischen Geschlechterdualismus, reproduziert und verstärkt ihn. Die extremste Form der Herstellung und Vergewisserung von „Männlichkeit“* ist die Ausübung sexualisierter Gewalt, in der der Körper des Täters als Waffe zur Unterwerfung eingesetzt wird. Die Frauenkörper symbolisieren die vermeintliche Ehre der Männer*, ihre „Schändung“ demonstriert Macht und Überlegenheit über den „Feind“. Vergewaltigung ist eine Kriegsführungs-Strategie, die gezielt eingesetzt wird zur Demoralisierung des Gegners, zum Zweck ethisch motivierter Vertreibungen, Inbesitznahme von Ländern und als Mittel gesellschaftlicher Unterdrückung.

KÄMPFEN WIR ZUSAMMEN FÜR EINE HERRSCHAFTSFREIE GESELLSCHAFT!

Organisieren wir uns gegen Ausbeutung und Unterdrückung! Wir setzen uns ein für eine Welt ohne Krieg und Militarisierung! Deshalb beteiligen wir uns am antimilitaristischen Camp in der Altmark. Wir laden euch alle ein, mit uns fantasievolle diskussions- und aktionsreiche Tage auf dem Camp zu gestalten, um diesem Ziel einen Schritt näher zu kommen!

Feministische Vorbereitungsgruppe

*Das Sternchen an den Begriffen „Frauen“/“weiblich“, „Männer“/“männlich“ soll daran erinnern, dass damit verschiedene Menschen mit verschiedenen gesellschaftlichen Positionen bezeichnet werden und dass es sich dabei um gesellschaftlich hergestellte Kategorien und nicht um „natürlich“ vorhandene handelt. Solange diese Kategorien so wirkmächtig sind, benutzen wir die Begriffe, um bestehende Herrschaftsverhältnisse zu benennen.
 

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